Wesentliche Punkte des Buddhismus

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Wesentliche Punkte des Buddhismus

von Gonsar Tulku Rinpotsche

Wenn wir von Buddhismus sprechen, beziehen wir uns auf ein ausserordentlich weites und tiefes Thema. Ich selbst weiss nur so viel wie einen kleinen Tropfen dieses grossen Ozeans des Wissens. Dennoch möchte ich hier eine kurze, spontane Einführung in einige grundlegende Punkte des Dharma geben.

Wie Sie wahrscheinlich alle wissen, ist der Buddhismus eine der grossen Weltreligionen. Die meisten von Ihnen werden auch wissen, dass der Buddhismus bis zu Buddha Schakyamuni zurückführt, der vor rund 2540 Jahren in Lumbini (im heutigen Nepal) geboren wurde. Sicher kennen viele von Ihnen auch die grossen Taten Buddhas, doch diese hier alle zu erzählen würde zu lange dauern. Im Alter von 35 Jahren zeigte Buddha das Erlangen der vollen Erleuchtung und lebte bis zum Alter von 81 Jahren. Vom Erreichen seiner Erleuchtung bis zum Parinirvana verbrachte er die meiste Zeit mit dem Geben von Unterweisungen.

Die erste Unterweisung, die Buddha gab, war die Unterweisung über die Vier Edlen Wahrheiten: Die Edle Wahrheit des Leids, die Edle Wahrheit des Ursprungs, die Edle Wahrheit der Beendigung (oder Befreiung) und die Edle Wahrheit des Weges. Dann, im Laufe der Zeit, gab er eine grosse Vielfalt an Unterweisungen, immer entsprechend den Bedürfnissen und geistigen Fähigkeiten seiner Schüler.

Diese Unterweisungen Buddhas verbreiteten sich zuerst in vielen Ländern des indischen Subkontinents. Im 7. Jahrhundert (nach westlichem Kalender), kamen die Tibeter erstmals mit den Unterweisungen des Buddha in Kontakt. Nachdem sie erkannt hatten, wie ausserordentlich kostbar diese Unterweisungen sind, unternahmen sie grosse Anstrengungen sie nach Tibet zu bringen. Viele reisten nach Indien, um dort den Buddhismus zu studieren. Auch wurden einige hervorragende indische buddhistische Meister nach Tibet eingeladen, um Unterweisungen zu geben.

Zuvor waren die Tibeter das "Volk hinter dem Himalaya", und als Bergvolk waren sie stark und recht wild. Damals kämpften die Tibeter gern, hatten mächtige Armeen und führten Krieg in allen Richtungen. Erst als die Unterweisungen Buddhas nach Tibet kamen, wurden diese wilden Menschen gezähmt. Dank der Lehre Buddhas wurden die Menschen sanfter - und das Land erhielt umfangreichen weiteren Nutzen durch die Unterweisungen des Buddha.

Beschreiben wir kurz, was Buddhismus ist: Der zentrale Punkt von Buddhas Unterweisungen sind die Wesen; das sind die lebenden Wesen, die fühlenden Wesen (Sattva oder Prāñin). Diese sind der eigentliche zentrale Punkt aller Unterweisungen des Buddha. Der Kernpunkt ist weder Buddha selbst noch das Erlangen übernatürlicher Kräfte, es ist nicht irgendein Gott und auch kein philosophisches Thema, sondern es sind die Lebewesen, jene die Leben besitzen. Wenn wir von Wesen sprechen, dann beziehen wir uns auf Wesen, die Geist oder Bewusstsein besitzen (Citta oder Mana).

Was sind die Merkmale von Wesen mit einem Bewusstsein? Solche Wesen haben einen Geist, der ihnen erlaubt, zu wissen und zu verstehen, und sie haben weiter die Eigenschaft, Glück und Leid zu erfahren. Im gesamten Bereich der Existenz gibt es viele Objekte, die keinen Geist haben, und darum haben solche Objekte, wie zum Beispiel Automobile, weder die Fähigkeit zu wissen, noch können sie Erfahrungen von Glück und Leid machen. Lebewesen haben einen Geist und somit Gefühle, sie haben die Fähigkeit, Glück und Leid zu erfahren. Wir Menschen sind nicht die einzigen, die solche Merkmale besitzen: Es gibt noch viele andere Wesen, die genauso wie wir wissen und fühlen, ganz gleich, was für eine äussere Gestalt sie haben mögen.

Wir Menschen, ebenso wie die Tiere, haben die Fähigkeit, Glück und Leid zu erfahren. Wir erleben nicht nur die gleichen Erfahrungen, sondern haben auch die gleichen Wünsche – Glück zu erfahren und frei von Leiden zu sein. Diesen Wunsch, Glück zu erfahren und von Leiden frei zu sein, teilen wir mit allen Tieren bis hin zu den kleinsten Insekten.

Alle Wesen haben auch das gleiche Recht, Glück zu erfahren und frei von Leiden zu sein.

Das Anwenden einer Religion steht in direkter Verbindung mit den Erfahrungen von Glück und Leid, die ein Wesen macht. Weil Wesen mit einem Geist die Eigenschaft haben, sich nach Glück zu sehnen und den Wunsch haben, Leid zu vermeiden, können wir von der Notwendigkeit und dem Wert religiöser Anwendung sprechen. Ohne Bezug zu Lebewesen und ihrer Erfahrung von Glück und Leid hat ein Anwenden von Religion wenig Sinn. Ich denke nicht, dass dies nur ein Merkmal der Unterweisungen Buddhas ist - dies sollte das eigentliche Ziel jeder religiösen Anwendung sein.

Zusammengefasst können die Anwendungen des Buddhismus in Anschauung (Dristi), Verhalten (Charyā) und Meditation (Bhāwanā) unterteilt werden. Das sind die drei Aspekte buddhistischer Anwendung. Damit eine gültige spirituelle Anwendung vollständig ist, müssen diese drei Aspekte darin enthalten sein.

Es ist notwendig eine reine und richtige Anschauung zu haben. Unserem Geist fehlt Klarheit und er ist voller Unwissenheit. Die Fähigkeit zu erkennen, was ist und was nicht ist, können wir nur durch das Entwickeln einer reinen Anschauung erlangen. Nur auf der Grundlage einer richtigen Anschauung können wir wissen, was die Wahrheit ist.

Eine solche Anschauung kann nicht irgendeine Art von Anschauung sein. Sondern es muss eine Anschauung sein, welche die Grundlage versteht, den Weg und das Ziel – das heißt, ein Verständnis der eigentlichen, gegenwärtigen Situation, des Vorgangs der Umwandlung und des erreichbaren Ziels. Es sollte also eine Anschauung sein, welche die Grundlage, den Weg und das Ziel richtig versteht. Wenn wir "richtig" sagen, bedeutet dies, dass die Dinge entsprechend ihrer tatsächlichen Art der Existenz verstanden werden. Das bedeutet, sie sollten der Wirklichkeit entsprechend verstanden werden, frei von Fantasien und Vorstellungen.

Das wäre also die richtige Anschauung. Doch wenn wir uns fragen, ob eine richtige Anschauung genügt, so ist die Antwort: Nein. Nur eine richtige Anschauung im eigenen Geist zu haben, hilft nicht, wenn unser Verhalten oder unser Benehmen nicht im Einklang damit steht. Das Verhalten ist das Wichtigste. Wenn wir von Verhalten sprechen, ist damit das Verhalten von Körper, Rede und Geist gemeint. Das Verhalten ist der wichtigste dieser drei Punkte, weil unsere Erfahrungen von Glück und Leid das Ergebnis unseres Verhaltens sind. Ob wir Glück oder Leiden erfahren, hängt von der Art und Weise unseres Verhaltens ab. Unsere Erfahrungen von Glück und Leid stammen nicht von unserer Philosophie, sondern vielmehr von unseren Handlungen. Dies ist sowohl auf der individuellen als auch auf der kollektiven Ebene der Fall.

Deshalb ist es so wichtig und notwendig, in richtiger und nützlicher Weise zu handeln und zerstörendes Verhalten zu vermeiden. Nun, was ist nützlich und was ist zerstörend? Handlungen, die direkt oder indirekt für einen selbst und andere Leiden verursachen, sind zerstörende Handlungen. Handlungen, die wahres Wohlergehen für einen selbst und andere bringen, jetzt und letztendlich, sind nützliche Handlungen. Das ist die Bedeutung von nützlichen und schädlichen Handlungen. So ist es also äusserst wichtig, schädliche Handlungen zu vermeiden und nützliche auszuführen.

Aus diesem Grund ist Ethik einer der wichtigsten Punkte im Buddhismus. Entsprechend der Entwicklungsstufe des eigenen Geistes gibt es viele Ebenen der Ethik, aber die Wurzel aller Formen von Ethik im Buddhismus ist immer Ahimsa – das Nicht-Schaden – das bedeutet, niemandem Schaden zuzufügen. Wir sollten unbedingt vermeiden, dem Leben anderer Schaden zuzufügen; es vermeiden anderen mit Körper, Rede oder Geist irgendwelchen Schaden zuzufügen. Jegliche Absichten zu schaden aufzugeben und anderen zu helfen so gut wir können: das ist die Bedeutung von Ethik im Buddhismus.

Um jeglichen Schaden zu vermeiden und anderen in bester Weise zu helfen, muss man Egoismus vollständig beseitigen. Solange Egoismus nicht vollständig beseitigt ist, wird es nicht möglich sein, jeglichen Schaden an anderen zu vermeiden und es wird auch nicht möglich sein, anderen vollständig zu nützen. Deshalb ist Egoismus einer der grössten Fehler, den wir herausfordern, überwinden und beseitigen wollen. Aber es ist nicht einfach Egoismus zu beseitigen. Es gibt viele verschiedene Ebenen von Egoismus, von einer sehr groben bis hin zur subtilsten Ebene. Den sehr groben Egoismus können wir vielleicht manchmal unter Kontrolle halten, doch um alle Formen von Egoismus bis hin zur subtilsten Ebene zu beseitigen, müssen wir uns sehr lange in dieser Richtung schulen.

Aus diesem Grund ist das Benehmen oder Verhalten im Buddhismus von grösster Wichtigkeit; ein völlig reines, korrektes Verhalten zu haben, ist einer der wesentlichen Punkte.

Haben wir einmal die Grundlage der richtigen Anschauung und des richtigen Verhaltens erlangt, dann kann es sehr nützlich sein, auch Meditation anzuwenden. Doch es ist völlig nutzlos, wenn wir versuchen, irgendeine Art von Meditation auszuüben, ohne die Grundlage einer reinen Anschauung und eines reinen Verhaltens. Ohne diese beiden ist es gar nicht möglich, eine wirkliche Meditation auszuführen. Der Grund dafür ist, dass Meditation nicht einfach Entspannung ist, sondern eine stufenweise Schulung des Geistes, und der Geist kann nur geschult und erzogen werden, wenn wir die Klarheit einer reinen Anschauung haben und einem heilsamen Verhalten folgen. Deshalb müssen diese drei Punkte vereint sein.

Wenn wir zum Beispiel ein Haus bauen wollen, dann benötigen wir das Grundstück worauf das Haus gebaut wird und ein solides Fundament. Weiter brauchen wir Baumaterial wie Ziegel, Holz und so weiter. Haben wir einmal das Grundstück und das Baumaterial, können wir mit dem eigentlichen Bau des Hauses beginnen und von Tag zu Tag Fortschritte machen. In gleicher Weise benötigen wir die Grundlage einer guten Ethik, und wenn wir diese Grundlage haben, benötigen wir das Material, das von einer reinen Anschauung kommt. Haben wir diese beiden, so können wir das eigentliche Bauen des Hauses mittels Meditation beginnen, das eigentliche Entwickeln oder Schulen des Geistes.

Um dem Weg der Meditation zu folgen, benötigen wir einen qualifizierten Meister. Denn nur dank der Anweisungen eines solchen Meisters können wir uns richtig auf dem Weg der Meditation fortbewegen und ein Ziel erreichen. Wenn wir uns allein bemühen und beliebige Anwendungen ausführen, ist es unmöglich, irgendwelchen Fortschritt zu erzielen.

Wenn wir ein Haus bauen, benötigen wir die Anweisungen eines qualifizierten Architekten. Würden wir einfach anfangen etwas zu bauen ohne die Hilfe einer qualifizierten Person, dann würde unser Bauwerk wahrscheinlich bald zusammenbrechen. Ebenso benötigen wir einen erfahrenen Ratgeber, der uns zeigt wie wir vorgehen müssen, wenn wir in unserem eigenen Geist ein Gebäude aufrichten wollen.

Viele Leute meinen, Meditation sei ein Entspannen des Geistes – aber das ist in keiner Weise die wirkliche Bedeutung von Meditation. Vielmehr ist Meditation ein zielgerichtetes Schulen und Entwickeln des Geistes. Es ist etwas Aktives: Statt Entspannung ist es eher wie ein Kampf im eigenen Geist. In der Meditation versuchen wir, etwas im eigenen Geist aufzubauen, dabei treten jedoch viele hindernde geistige Faktoren auf. Für einen Anfänger wird das zweifellos ein schweres Gefecht. Doch das ist der einzige Weg, um etwas erreichen zu können, und nicht, indem wir unsere Zeit schläfrig und faul verbringen.

Wenn wir Meditation richtig anwenden können, dann ist das die beste Methode, um in unserem Geist die aussergewöhnlichen Eigenschaften von Erbarmen zu steigern und zu fördern, Weisheit und Klarheit des Geistes zu entwickeln und reine Liebe im eigenen Geist hervorzubringen und so weiter. Falsches Anwenden von Meditation dagegen ist eine der besten Möglichkeiten, unsere Zeit völlig zu verschwenden. Dann wäre es viel besser, mit unserem Körper oder unserer Rede konkreten Beschäftigungen nachzugehen und etwas Nützliches und Greifbares zu schaffen.

Am Anfang der Anwendung von Meditation ist die grösste Schwierigkeit die mangelnde Kontrolle über den eigenen Geist. Um anfangen zu können, den Geist unter Kontrolle zu bringen, muss man zuerst Konzentration entwickeln. Zurzeit ist unser Geist nie ruhig; er ist wie eine flatternde Fahne in einem starken Wind. Daher muss der Geist etwas beruhigt werden, bevor er dazu verwendet werden kann, wichtigen Gedanken und Begründungen zu folgen. Solange der Geist ständig chaotisch umherirrt, wird es schwer sein, genauen und tiefen Gedanken zu folgen.

Buddha hat viele Meditationsmethoden (Bhāvanās) beschrieben. Diese können in zwei Arten zusammengefasst werden: Konzentrative (Sthāpita Bhāvanā) und analytische Meditation (Vichārita Bhāvanā). Beide Arten von Meditation sind notwendig. Konzentrative Meditation allein führt nicht zur Erkenntnis und analytische Meditation allein ebenfalls nicht. Diese beiden Arten von Meditation müssen kombiniert werden.

Zur Anwendung von Meditation können wir bestimmte Körperhaltungen einnehmen, aber das Wichtigste bei der Meditation ist die Haltung des Geistes. Einige Leute denken, Meditation sei nur eine Sitzstellung, aber das ist nicht der Fall. Jeder kann in einer gewissen Weise sitzen, es ist jedoch nicht der Körper, der die Meditation ausführen muss – sondern der Geist.

Um Meditation ausüben zu können, muss man zuerst über ein entsprechendes Wissen (Pragyā) verfügen. Es gibt drei Arten von Wissen: Das Wissen durch Hören oder Lernen (Shrutimayi Pragyā), durch Nachdenken (Cintamayi Pragyā) und durch Meditation (Bhāvanāmayi Pragyā). Zuerst müssen wir uns das Wissen durch Lernen aneignen, das ein Tor zum Verständnis der Anwendungspunkte öffnet. Ein solches Wissen kann dann durch gezieltes, richtiges Nachdenken weiter vertieft werden und so zu einer Überzeugung führen. Danach kann dieses Wissen zu einem noch tieferen Verständnis entwickelt werden und durch die Anwendung von konzentrativer und analytischer Meditation zu einer Erfahrung direkter Erkenntnis führen.

Da auf dieses Thema hier in diesem Rahmen nicht tiefer eingegangen werden kann, werden wir den ersten dieser drei Punkte noch etwas genauer betrachten: Die Anschauung im Buddhismus.

Einer der wichtigsten Punkte der Anschauung im Buddhismus sind die Beschreibungen des Geistes. Der Grund dafür ist, wie anfangs erwähnt, dass der zentrale Punkt von Buddhas Lehren die Wesen sind – und der Geist in direktem Zusammenhang steht mit den Erfahrungen von Glück und Leid der Wesen. Buddha hat klar dargelegt, dass die eigentliche Wurzel all unserer Erfahrungen von Glück und Leid in unserem eigenen Geist liegt.

Diese Auffassung entspricht nicht unserer gewöhnlichen, spontanen Art, die Dinge zu sehen. Vielmehr denken wir, dass die Ursachen für unsere Erfahrungen von Glück und Leid irgendwo da draussen liegen. Wenn wir Glück und Leid erfahren, schieben wir die Verantwortung normalerweise auf etwas anderes, meistens auf jemand anderen. Wir denken, „ja, ich erfahre das wegen ihm, es ist sein Fehler.“ Oder wir denken, dass unser Land schuld ist an unseren Erfahrungen oder das Haus, in dem wir leben, oder dass der Nachbar schuld an unseren Problemen ist. Das sind die gewöhnlichen Reaktionen bei unseren Erfahrungen von Glück und Leid. Zudem haben manche Leute besondere Ideen und halten unsichtbare Kräfte für ihre Leiden verantwortlich; sie glauben, dass ihnen das erfahrene Leid von bösen Geistern zugefügt wurde. Kurz, sie haben die Auffassung, die Ursachen für ihre Leiden lägen ausserhalb. Die meisten Leute sehen einen Feind als Ursache für ihr Leiden; und immer wenn Leiden entsteht, ist es begleitet vom Gedanken: Es ist gänzlich die Schuld dieses Feindes, dass mir dieses Unglück widerfährt.

Auch gegenüber Glück haben wir ähnliche Auffassungen und sehen äussere Objekte als Ursache für unser Glück. Entweder ist die Ursache für Glück er oder sie, ein anderes Land, Geld, ein neues Objekt, das wir erwerben oder eine neue Philosophie, der wir uns zuwenden. In solchen Dingen sehen wir die Quelle für unser Glück. Auch hier haben manche Leute seltsame Vorstellungen und denken, gute Geister oder gute Feen wären die Ursache ihres Glückes.

Doch alle diese Auffassungen suchen die Ursachen für Glück und Leid ausserhalb der eigenen Person. Ohne Zweifel gibt es manchmal Situationen, wo diese äusseren Objekte ein Faktor für Glück und Leid sein können. Wir jedoch betrachten diese als die eigentliche Ursache unserer Erfahrungen, während sie es in Wirklichkeit nicht sind. Äussere Objekte, wie das Wetter, können sicher ein auslösender Faktor für unsere Erfahrungen sein, die wirkliche Ursache für unser Glück und Leid hingegen - wie Buddha klargestellt hat - liegt nicht ausserhalb unseres Geistes, sondern innerhalb unseres eigenen Geistes.

Äussere Faktoren können sich ändern. Ein Faktor, der zu einer bestimmten Zeit Glück erzeugt, kann zu einem Faktor werden, der Leiden verursacht. Und ein Faktor, der Leid verursacht, kann sich in einen Faktor verwandeln, der Glück verursacht. Eine Person, die für jemanden ein Faktor für Glück ist, kann für jemand anderen ein Faktor für Leiden sein. Oder eine Person, die früher für uns ein Faktor für Wohlergehen war, kann sich später in einen Faktor für Leiden verwandeln. Solche Veränderungen kommen immer vor. Deshalb werden Feinde zu Freunden und Freunde werden zu Feinden. Sehr oft erfahren wir solche Situationen.

Für viele Leute im Osten ist das Essen von Chilischoten ein Faktor für eine äusserst köstliche Erfahrung; für viele Leute hier im Westen hingegen, ist das Essen von Chilischoten ein Faktor für unbeschreibliches Leid. Genauso ist für einige Leute das Essen von Sauerkraut reinstes Glück, während das für manche andere gar nicht der Fall ist.

Kurz, die äusseren Faktoren können sich ändern. Zum Beispiel sind heilige äussere Objekte, wie Kirchen, Statuen, Tempel und so weiter für viele Leute mit Vertrauen in diese Objekte ein Faktor des Glücks und Wohlergehens. Das Betrachten dieser Objekte löst in ihnen Hingabe, Wohlergehen und Glück aus. Die Christen haben Kirchen und die Buddhisten haben Tempel. Für hingebungsvolle Anwender dieser Religionen löst das Wahrnehmen solcher Objekte Vertrauen und Wohlbefinden aus. Doch Leute, die kein Vertrauen in Religionen haben, schätzen solche Objekte eventuell gar nicht – und es gibt viele solche Leute auf der Welt – für diese Leute sind diese äusseren Objekte kein Faktor, der Glück bringt, wenn das Erblicken einer Kirche oder eines Tempels Wut, Ärger und Abneigung auslöst.

Wir mögen uns vielleicht fragen, ob diese äusseren, heiligen Objekte wirklich nützlich sind? Die Antwort ist, dass sie sehr nützlich sind, weil wir Segen von ihnen erhalten können. Ob wir jedoch Segen von diesen äusseren Objekten bekommen oder nicht, hängt von unserem Zustand des Geistes ab. Deshalb ist das äussere, heilige Objekt nur ein Faktor, während die eigentliche Ursache in unserem eigenen Geist ist.

Buddha hat klar beschrieben, dass die eigentliche Wurzel für Glück im eigenen Geist zu finden ist, wie auch die eigentliche Wurzel für Leid im eigenen Geist liegt.

Was sind die eigentlichen Ursachen für Leiden? Es sind Dinge, die für uns weder mysteriös noch völlig unbekannt sind: Es sind Zustände wie Gier (Rāga), Eifersucht (Ishiryā), Zorn (Krodha), Stolz (Abhimāna), Geiz (Matsara) und so fort, Zustände des Geistes, die wir alle sehr gut kennen. Die Wurzel von allen diesen sind Selbstgreifende Unwissenheit (Ātmagrha) und Selbstschätzender Egoismus (Ahampriye); und deshalb sind Unwissenheit und Egoismus die eigentlichen Wurzeln allen Leides in unserem Geist.

Unwissenheit und Egoismus sind Geistesfaktoren. Solange diese Faktoren in unserem Geist vorhanden sind, solange sie stark in unserem Geist sind, werden wir ganz sicher Leiden erfahren müssen, auch wenn wir uns immer wünschen, frei von Leiden zu sein. Eine sehr egoistische Person mag sich in einer sehr angenehmen äusseren Lage befinden, aber sie wird nie wirklich glücklich sein und nie echtes Wohlbefinden erfahren. Wo immer eine solche Person auch hinkommt, andere Leute werden ihr stets als ein negativer Faktor erscheinen und jeder Ort wird als unangenehm empfunden; jedes von ihr benützte Objekt wird für sie immer unzulänglich sein. Eine solche Person kann irgendwo hingehen, irgendetwas benützen, doch nichts wird wirklich Glück und Zufriedenheit bringen.

Wie mein Ehrwürdiger Meister zu sagen pflegte: „Eine Person mit starkem Egoismus kann mit einer Person verglichen werden, deren ganzer Körper mit Wunden bedeckt ist.“ Jemand, dessen Körper mit Wunden übersät ist, wird sich nirgends wohlfühlen. Wo immer sich eine solche Person hinsetzt oder wo immer sie sich hinbewegt, wird sie Schmerzen erfahren. An welcher Stelle eine solche Person auch immer berührt wird, es wird wehtun.

Andererseits sind aber die eigentlichen Ursachen für Glück ebenfalls im eigenen Geist vorhanden. Es sind dies Geisteszustände wie Genügsamkeit und Zufriedenheit, reine selbstlose Liebe, ernsthaftes Erbarmen und Geduld, wahre Weisheit und das Schätzen anderer. Diese Geisteszustände sind die echten Ursachen für Glück. Wenn diese Faktoren im eigenen Geist stark sind, ist es sicher, dass wir uns bei angenehmen äusseren Umständen wohl fühlen. Aber auch in ungünstigen äusseren Umständen, werden uns diese starken inneren Ursachen ermöglichen, ungestört zu bleiben.

Gelingt es jemandem, seinen Geist vollständig von Ärger und Hass zu befreien, dann gibt es - auf der ganzen Welt - keine Feinde mehr. Der Grund dafür ist, dass Feind ein Etikett ist, eine von unserem Geist erzeugte Bezeichnung. Es gibt keine Objekte, die von ihrer eigenen Seite her Feinde sind. Doch solange Ärger in unserem Geist vorhanden ist, wird es sehr viele äussere Feinde geben.

Der indische buddhistische Meister Schantideva hat diese Situation wie folgt beschrieben: „Wenn wir die ganze Welt mit Leder überziehen wollten, damit sich unsere Füsse nicht an Dornen verletzen, würden wir niemals genügend Leder dafür finden. Wenn wir aber unsere eigenen zwei Füsse mit Leder bedecken, werden wir zum gleichen Ergebnis kommen, wie wenn wir die ganze Erde mit Leder bedecken würden.“ „Entsprechend“, fährt er fort, „wenn wir alle unsere Feinde überwinden wollen, indem wir sie treffen, mit ihnen sprechen, sie zu Freunden machen oder ihnen Geschenke geben, würden wir nie zu einem Ende kommen, weil es unzählig viele Wesen gibt. Wenn wir stattdessen Hass und Ärger in unserem Geist überwinden, hat das die gleiche Wirkung, wie wenn wir alle Feinde überwinden würden.“ Denn jedes menschliche Wesen zu besuchen und eine gute Beziehung mit ihm aufzubauen ist unmöglich. Gereiztheit und Ärger vollständig aus dem eigenen Geist zu entfernen ist jedoch sehr wohl möglich.

Diese inneren Ursachen, die die eigentlichen Wurzeln von Leid sind, werden im Buddhismus Kleschas genannt, ein Ausdruck, der oft als Verblendungen übersetzt wird. Diese Verblendungen können sich vorübergehend sehr stark in unserem Geist manifestieren, aber sie können auch aus dem Geist entfernt werden. Jeder besitzt die Voraussetzungen, um durch ein Anwenden der richtigen Mittel die Verblendungen vollständig aus seinem Geist zu entfernen.

Der Grund dafür ist, dass diese Verblendungen nicht Teil der eigentlichen Natur des Geistes sind. Die Natur des Geistes ist rein und frei von solchen Fehlern. Doch im Moment ist unser Geist von vielen dieser Verschmutzungen und Verblendungen bedeckt - ähnlich wie ein Kristall, der klar und transparent ist, aber vollständig von Gestein bedeckt sein kann. Es ist jedoch möglich, dieses Gestein auseinanderzubrechen und den klaren, transparenten Kristall zum Vorschein zu bringen. In gleicher Weise ist es möglich, den Geist von den Fehlern und Hindernissen, die ihn bedecken, zu befreien und seine reine, klare Natur hervortreten zu lassen.

Wären diese Fehler Teil der wesentlichen Natur des Geistes, dann wäre die Situation hoffnungslos, denn wir könnten nichts daran ändern. Dann wären unsere Bemühungen vergleichbar mit denen einer Person, die versuchte, ein Stück Kohle zu waschen bis es weiss würde. Doch das entspricht nicht der Situation, in der wir uns befinden. Ganz im Gegenteil, der Geist ist in seiner Natur rein und frei von Verschmutzungen. Diese reine Natur ist vorübergehend von den gegenwärtigen Hindernissen bedeckt, und darum ist es möglich, den Geist von diesen Hindernissen zu befreien. Es ist ähnlich wie ein klarer, leerer Himmel, der vorübergehend von dicken Wolken verhängt ist, die dann aber von einem starken Wind in kurzer Zeit weggeblasen werden.

Das ist ein Grund, warum es möglich ist, den Geist von den Hindernissen zu trennen. Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Die Fehler des Geistes haben keine stabile Grundlage. Sie gründen auf einer falschen Auffassung. Wenn wir zum Beispiel ein grosses Projekt auf einer Lüge aufbauen, dann können wir bis zu einem gewissen Punkt damit davonkommen, aber früher oder später wird die Lüge erkennbar werden und das Projekt wird zusammenbrechen.

Das gleiche gilt für die Fehler in unserem Geist wie Begierde, Hass, Eifersucht und so weiter. Diese Fehler können vorübergehend überwältigend stark sein, doch sie haben keine stabile Grundlage – sie gründen auf einer falschen Auffassung (Mithyadhristi), auf Unwissenheit (Avidhya).

Das ist der Grund, weshalb im Buddhismus betont wird, dass Unwissenheit die Wurzel aller Fehler ist. Die Unwissenheit vollständig zu beschreiben, würde den Rahmen dieser Erklärungen sprengen, denn es ist etwas sehr Subtiles. Doch lasst es uns ganz grob betrachten: Wir kennen uns selbst, andere Personen und verschiedene Objekte und so fort. Wir wissen über diese Dinge Bescheid, doch die Art, wie wir sie verstehen, entspricht nicht ganz der Wirklichkeit. Immer steckt ein Faktor von falscher Projektion darin, die nicht der Wirklichkeit entspricht. Und das wird als Unwissenheit bezeichnet. Begierde, Hass, Eifersucht und so weiter, haben alle ihre Wurzel in dieser Unwissenheit.

Nun, was ist genau der Fehler, den wir bei der Wahrnehmung von Dingen machen, wenn wir unsere eigene Person und andere Leute wahrnehmen? Tatsächlich bestehen wir, die anderen und alle Objekte in Abhängigkeit voneinander und in einer gegenseitigen Beziehung zueinander. Doch wir sehen alle diese Objekte so, als würden sie von ihrer eigenen Seite her existieren, in einer unabhängigen Weise, in einer innewohnenden Weise. Wenn wir an einen Feind denken, scheint es, als wäre dieser Feind von seiner eigenen Seite her ein Feind, als würde er auf der Grundlage seines Körpers unabhängig als Feind existieren. Uns erscheint es so, als könnten wir den eigentlichen Feind irgendwo in diesem Körper finden.

Denken wir hingegen an uns selbst, dann denken wir: „Ja, ich bin hier und ich bin wichtig.“ Dabei nehmen wir dieses wichtige Ich wahr, wie wenn es irgendwo im Körper drin als mächtiges unabhängiges Ich gefunden werden könnte, als mysteriöses Ich. Ob dies unsere eigene Person betrifft, Freunde, Feinde oder Gegenstände - immer nehmen wir die Objekte in dieser Weise wahr.

Diese Dinge können wir zweifellos selbst untersuchen; und wenn wir richtig denken und untersuchen, können wir erkennen, ob das so ist oder nicht. Um dies zu tun, müssen wir keinen Erklärungen anderer glauben – wir sind durchaus fähig, selbst zu erkennen, ob das die Art und Weise ist, wie wir die Dinge wahrnehmen oder nicht.

Das ist also unsere Art, die Objekte wahrzunehmen. Doch wenn wir fragen, „entspricht diese Art der Wahrnehmung der Wirklichkeit?“ Dann ist die Antwort: Nein, diese scheinbare Existenzweise entspricht überhaupt nicht der Wirklichkeit, und das kann leicht erkannt werden. Nehmen wir das Beispiel eines Feindes: Wir nehmen die Person so wahr, als würde dieser Feind in ganz konkreter Weise in dieser Person drinstecken. Versuchen wir das einmal genauer zu untersuchen: Was in diesem Objekt ist unser Feind? Lasst uns den Körper der Person durchsuchen – ist sein Kopf der Feind? Sind seine Arme der Feind? Sind die Beine der Feind oder ist seine Nase der Feind? Ganz bestimmt nicht! Wenn wir mit Analysieren so weiterfahren und anfangen, den Feind im Körper zu suchen, werden wir nur noch mehr problematische Dinge finden, die wir zu durchsuchen haben. Da drinnen gibt es viele Dinge, aber nichts, was der Feind ist. Wenn Wissenschaftler die Person bis zum kleinsten Partikel untersuchen, werden sie den Feind nirgends finden können, sie würden ihn nicht einmal in den Quarks finden. Auch wenn jemand eine intensive analytische Meditation durchführt, um im Objekt nach dem Feind zu suchen, wird er ihn ebenfalls nirgendwo finden können.

In dieser konkreten Person, die wir als Feind betrachten, und auf die wir so spontan mit Wut, Ärger und Abneigung reagieren, können wir nach dem Feind suchen so lange wir wollen, wir werden ihn nirgends finden können. Mit unserer eigenen Person verhält es sich genau gleich. Manchmal denken wir, „ich bin glücklich, traurig oder ich bin wütend.“ Wenn wir aber anfangen in uns selbst nach diesem Ich zu suchen, können wir so lange suchen wie wir wollen, es kann nicht gefunden werden. Diese Art des Analysierens zeigt klar, dass unsere normale Wahrnehmungsweise der Objekte nicht richtig ist.

Doch wie bestehen die Objekte nun wirklich? Sie existieren in Abhängigkeit (Pratitya Samutpanna). Die Dinge bestehen in gegenseitiger Abhängigkeit und Beziehung (Apekshita), und nicht in unabhängiger Weise (Svatantraka) von ihrer eigenen Seite her. Wir und die anderen bestehen in Abhängigkeit unserer Ursachen, Umstände und Teile sowie auch in Abhängigkeit des Bewusstseins, das diese Dinge wahrnimmt, und weiter auch in Abhängigkeit der Benennungen, die diesen Dingen gegeben wurden, wie Ich und Du. Es sind nur Namen, nur Benennungen - die Objekte existieren abhängig von allen diesen Faktoren.

Die Objekte existieren durch das Zusammenkommen der Ursachen, Faktoren, des Namens und des wahrnehmenden Bewusstseins; darum existieren sie in gegenseitiger Abhängigkeit, in gegenseitiger Beziehung. Wir betrachten uns selbst als sehr wichtig; das eigene Ich ist überaus wichtig. Doch auf der ganzen Welt sind wir nur ich für uns selbst, und für alle anderen sind wir du, er oder sie, aber niemals ich. Für die uns Nahestehenden sind wir du. Für jene, die etwas weiter entfernt sind, sind wir er oder sie. Für den grössten Teil der anderen Wesen jedoch, haben wir gar keine Bedeutung. Darum hängt es auch von der jeweiligen Betrachtungsweise, von der Perspektive ab. Eine ähnliche Abhängigkeit ergibt sich, wenn wir die beiden Seiten eines Flusses als diese Seite und die andere Seite bezeichnen. Je nachdem, wo wir stehen, sind diese Seite und die andere Seite veränderlich.

Alle Objekte existieren in einer solchen abhängigen Art und Weise. Wir können das zwar mit intellektuellen Begründungen verstehen, aber dennoch bleibt unsere spontane Wahrnehmung der Objekte trotz dieses Verständnisses unverändert. Ganz im Gegenteil, spontan sehen wir die Objekte, als hätten sie eine innewohnende Existenz. Und auf der Grundlage einer solchen falschen Auffassung entstehen Geisteszustände wie Begierde, Hass, Stolz, Eifersucht und so weiter. Diese grundlegende Unwissenheit rechtfertigt alle unsere anderen falschen Vorstellungen.

Alle diese falschen Geisteszustände bauen auf einer grundlegenden, falschen Auffassung auf. Wenn wir uns aber, wie bereits erwähnt, richtig bemühen, können diese Verblendungen beseitigt werden; eben weil sie auf einer falschen Auffassung beruhen.

In ähnlicher Weise tragen wir aber auch die Samen, die Potentiale der nützlichen, heilsamen Geisteszustände in uns. Jedes Wesen besitzt diese Potentiale und besonders im menschlichen Geist sind sie in einem gut funktionierenden Zustand. Mit den entsprechenden Bemühungen können wir diese Potentiale stärken und fördern. Es gibt keinen einzigen dieser Zustände, der durch Gewöhnung und die richtigen Bemühungen nicht entwickelt und gefördert werden könnte. Alle positiven Faktoren des Geistes können entwickelt und verbessert werden. Die wichtigsten dieser positiven Geistesfaktoren sind: Das universelle Erbarmen, das ernsthafte Schätzen anderer und die Weisheit, welche die eigentliche Art des Bestehens der Phänomene genau versteht.

Wenn wir also fragen, was die wesentliche Schulung im Buddhismus ist, dann ist die Antwort: Das Schätzen anderer. Und zwar ist das deshalb so, weil wir nicht die einzigen sind, die Glück erfahren und Leid vermeiden möchten – ganz im Gegenteil, das ist ein Wunsch, den alle Wesen haben. Darum ist das Schätzen anderer und das Entwickeln des Wunsches, dass alle Wesen das ersehnte Glück erlangen und das unerwünschte Leid vermeiden mögen – dieser Wunsch, dieses Erbarmen, die Essenz des Buddhismus. Wir entwickeln ihn nicht nur durch das Verständnis, dass sich die anderen nach Glück sehnen und Leid vermeiden wollen, genau wie wir, sondern, indem wir erkennen, wie wir aufgrund der Güte der anderen zu tiefer Dankbarkeit verpflichtet sind. Wenn wir uns des ausserordentlichen Gewinns und Nutzens, den wir ständig von anderen erhalten, bewusst werden, dann entwickeln wir den Wunsch, diese Güte zu vergelten. Es ist diese tiefe Dankbarkeit gegenüber den anderen, die uns zum Entschluss führt, es möglich zu machen, dass alle Wesen von Leiden frei sein mögen und sich an einem bleibenden Zustand des Glücks erfreuen mögen.

In welcher Weise wir ständig von anderen Nutzen erfahren, wird in den Unterweisungen des Buddhismus sehr ausführlich und genau dargelegt; es hier jedoch zu erklären, würde zu weit führen.

Die Tatsache, dass wir in jedem Moment unvergleichlichen Nutzen von anderen erfahren, diese Erkenntnis der untrennbar engen Verbindung, die wir mit allen Wesen haben, ist die Schlüssel-Erkenntnis, die uns direkt auf den Weg der heldenhaften Bodhisattvas führt, die bestimmt sind, ein Buddha zu werden. Als Resultat der Dankbarkeit, die aufgrund dieser Erkenntnis in uns aufsteigt, übernehmen wir die universelle Verantwortung, alle Wesen von ihren Leiden zu befreien. Diese höhere Einsicht (Adhyāshaya) führt dazu, die volle Erleuchtung erlangen zu wollen, um dieses mutige Bestreben zu erfüllen.

Nur sein eigenes Glück und sogar Befreiung nur für sich selbst zu suchen, während alle anderen Lebewesen im Leiden verweilen und kein bleibendes Glück erlangen können, ist keine reine Geisteshaltung. Natürlich ist eine individuelle Befreiung ein erstrebenswertes Ziel und es anzustreben ist ein positiver Beweggrund, aber es ist nicht genügend. Darum ist es nötig, alle Arten egoistischer Einstellungen zu überwinden, die die eigene Person als zentrales Objekt sehen. Stattdessen sollten wir eine Geisteshaltung entwickeln, welche alle anderen ins Zentrum stellt und das Wohlergehen der anderen an erste Stelle setzt.

Das letztendliche Ziel, das wir verfolgen, ist der Zustand der vollen Erleuchtung (Samyaksambodhi). Und dieser Zustand ist nichts anderes als ein Zustand, in dem alle Fehler – bis hin zu den subtilsten Fehlern – vollständig beseitigt sind und alle positiven Eigenschaften zur Perfektion gebracht worden sind. Wir wollen diesen Zustand jedoch nicht erreichen, um zum Höchsten, Besten zu werden, sondern, weil wir erkennen, dass wir nur in diesem Zustand die Mittel haben, um das Wohlergehen aller Wesen zu erwirken. Als unumgängliches Mittel um diesen äusserst zentralen Wunsch für den Nutzen aller Wesen zu verwirklichen, versuchen wir, diesen Zustand der Erleuchtung zu erlangen, indem wir den Unterweisungen des Erleuchteten folgen.

Der richtige Zugang zum Buddhismus

Wenn wir Studien von Dharma und Buddhismus folgen, ist es wichtig, eine richtige Motivation zu hervorzubringen und sich auf das richtige Ziel auszurichten. Der Vorgang ist nicht der Gleiche wie beim Studieren anderer Dinge.

Wenn wir Dharma studieren, muss die Motivation auch dem Dharma entsprechen. Der Grund dafür ist, dass wir Dharma nicht studieren, lediglich um unser Wissen zu erweitern, sondern um einen konkreten Gewinn zu erzielen. Und der angestrebte Gewinn ist nicht irgendein Gewinn, sondern ein weitreichender Gewinn, von dem wir für alle Zeiten profitieren können.

Doch wie können wir einen solchen weitreichenden Gewinn erzielen? Indem wir verstehen, was die eigentlichen Wurzeln unseres Glücks und Leids sind, und indem wir sie umwandeln. Wenn wir aber die eigentlichen Ursachen für Glück und Leid nicht verstehen, oder diese zwar verstehen, aber nicht die notwendigen Veränderungen durchführen, dann ist es nicht möglich, dieses weitreichende und bleibende Ziel zu erreichen; ganz gleich, welche anderen Mittel wir auch einsetzen mögen.

Andere Arten von Studien erzielen keine Wirkung dieser Art. Wenn wir üblichen Studien folgen, lernen wir alles Mögliche, aber das angeeignete Wissen steht nicht in direkter Beziehung zu den eigentlichen Ursachen von Glück und Leid und kann somit keinen bleibenden Nutzen hervorbringen. Es kann sein, dass uns ein gewöhnliches Wissen vorübergehend nützen kann, aber ein immerwährendes Resultat daraus zu erhalten ist sehr schwierig.

Was sind die eigentlichen Ursachen für Glück und Leid? Das wird im Dharma erklärt, und auch wie man sich direkt mit ihnen befasst und sie verändert – das ist die Essenz des Dharma. Das ist auch der Grund, weshalb das Studium des Dharma ein konkretes und bleibendes Resultat erzeugt.

Manchmal denken wir, dass unsere gewöhnlichen Aktivitäten wirkliche, konkrete Resultate hervorbringen, während Dharma-Aktivitäten eher etwas Abstraktes sind und keine konkreten Resultate bringen. Die Wahrheit jedoch ist, dass jemand, der Dharma wirklich versteht und richtig in die Anwendung umsetzt, die besten greifbaren Resultate erlangt.

Wenn man hingegen etwas als Dharma betrachtet, das wenig mit dem wirklichen Dharma zu tun hat oder Dharma falsch anwendet, dann besteht die Gefahr, dass die eigenen Bemühungen vergebens sein werden. Dann wird man statt konkreter gewinnbringender Resultate am Ende nur viel Zeit und Energie für nichts verschwendet haben.

Wenn wir uns jedoch um wirkliches Dharma in fehlerfreier Weise bemühen, dann gibt es nichts, das für einen selbst und andere grossartigere Resultate hervorbringen könnte.

Wir betrachten eine Aktivität als sinnvoll, wenn sie unsere Erfahrungen von Glück vermehrt und unsere Erfahrungen von Leiden vermindert. Wenn etwas unsere Situation verschlechtert, betrachten wir es als sinnlos oder schlecht. Für die Unterscheidung zwischen sinnvoll und sinnlos, zwischen nützlich und nutzlos gibt es keine anderen bedeutenden Kriterien.

Die Erfahrungen von Glück und Leid sind abhängig von den Ursachen für Glück und Leid. Was uns direkt mit den Ursachen von Glück und Leid in Verbindung setzt, ist Dharma. Durch die Anwendung von Dharma können diese Ursachen für Glück und Leid direkt beeinflusst werden. Deshalb gibt es nichts Nützlicheres und Wirkungsvolleres, als sich mit Dharma zu befassen.

Die Wurzel buddhistischer Philosophie – der Unterweisungen die Buddha gab – ist die Aussage, dass die eigentlichen Ursachen für Glück und Leid in unserem eigenen Geist liegen; und dass die äusseren Objekte zwar als Umstände dienen können, aber nicht die eigentliche Ursache für Glück und Leid sind. Zum Beispiel, sind weder andere Leute, andere Objekte, weder Gott noch irgendwelche Geister die eigentliche Ursache. Vielmehr liegen die Ursachen, die für unser Leiden und unser Glück verantwortlich sind, im eigenen Kontinuum. Das ist ein zentraler Punkt in Buddhas Unterweisungen.

Haben wir einmal verstanden, dass die Ursachen von Glück und Leid in unserem eigenen Geist zu suchen sind, werden wir uns bemühen, diese zu verändern und den wirklichen Nutzen für uns selbst und die anderen zu erreichen. Die Unterweisungen Buddhas enthalten viele Aspekte, davon sind einige grundlegend; und diese richtig zu verstehen, ist sehr wichtig.

Wie bereits erwähnt, sind das letztendliche Ziel und der Kernpunkt von Buddhas Lehre die Wesen und nichts anderes. Einige Leute mögen denken, der eigentliche Kernpunkt des Buddhismus sei Buddha selbst oder Nirvana, die Freiheit vom Daseinskreislauf, oder die Ruhe des Geistes. Das ist aber nicht der Fall. Alle diese Punkte sind sicher wertvolle Errungenschaften, aber sie sind nicht der zentrale Punkt des Dharma. Der zentrale Punkt des Dharma sind die Wesen.

Wenn wir von Wesen sprechen, sind damit Objekte gemeint, die Bewusstsein besitzen. Dank des Bewusstseins sind sie in der Lage, Glück und Leid zu erfahren. Und einzig aufgrund der Existenz der Wesen sind die Unterweisungen und die Anwendung von Dharma so wichtig. Dharma existiert nur in Bezug zu den Wesen.

Der gesamte Inhalt von Dharma ist eine genaue Beschreibung der Situation der Wesen, ihrer Erfahrungen von Glück und Leid und der Möglichkeiten ihre Situation zu verändern. Deshalb haben die Erklärungen von Dharma einzig in Bezug zu den Wesen eine so grosse Bedeutung. Die Erklärungen über Befreiung, über den bedingten Daseinskreislauf, über das Erlangen der Buddhaschaft und so weiter, sind alles Beschreibungen verschiedener Zustände der Wesen. Ohne Bezug zu den Wesen haben sie keine Bedeutung.

Sprechen wir von bedingtem Dasein oder Samsara, dann ist das eine Beschreibung der gegenwärtigen Situation der Wesen. Wenn wir von Freiheit oder Nirvana sprechen, ist das eine Situation, die Wesen erreichen können. Alle diese Beschreibungen sind nichts anderes als Beschreibungen von Zuständen, in denen sich die Wesen gegenwärtig befinden oder die sie in Zukunft erreichen können.

Die Vier Edlen Wahrheiten (Chatwari Aryasatyāni) sind also genaue Beschreibungen der Situation der Wesen. Die Edle Wahrheit des Leidens (Dukha Ārya Satya) ist die Beschreibung der grundlegenden Situation der Wesen; die Edle Wahrheit der Ursache (Samuda Ārya Satya) ist eine Beschreibung der Ursache dieser Situation der Wesen; die Edle Wahrheit der Beseitigung (Nirodha Ārya Satya) ist eine Beschreibung der befreiten Situation der Wesen; und die Edle Wahrheit des Weges (Mārga Ārya Satya) ist eine Beschreibung der richtigen Methode, die es den Wesen ermöglicht, den Zustand der Freiheit zu erlangen.

Wenn wir vom Zustand eines Arhat sprechen, beschreibt das ebenfalls eine Situation der Wesen; sprechen wir von Bodhisattvas, dann beschreibt das auch eine Situation der Wesen. Auch wenn wir von Schunyata sprechen, ist das in einem tieferen Sinne ebenfalls eine Beschreibung der Situation der Wesen. Im Dharma gibt es viele verschiedene Ausdrücke, die alle in einem direkten Zusammenhang mit den Wesen stehen.

Unter "Anwenden von Dharma" versteht man das Entwickeln von Liebe (Maitri), Erbarmen (Karūñā), Geduld (Shānti), Geben (Dāna), Ethik (Shila) und so weiter. Alle diese Anwendungen haben einen direkten Bezug zu den Wesen – das ist leicht verständlich. Wenn Erbarmen entwickelt wird, ist es Erbarmen gegenüber den Wesen. In gleicher Weise ist auch das Entwickeln von Liebe nur in Beziehung zu den Wesen denkbar. Auch Geben hat nur eine Bedeutung in Bezug zu anderen, als direkte Hilfe für sie. Aber auch Ethik macht nur Sinn in Bezug zu anderen Wesen, denn Ethik bedeutet, schädliche Handlungen zu vermeiden und nützliche auszuführen. Wenn wir von schädlichen Handlungen sprechen, dann sind damit Handlungen gemeint, die den Wesen Schaden zufügen. Und nützliche Handlungen sind solche, die den Wesen Nutzen bringen. Somit macht auch das Ausüben von Ethik nur Sinn in Bezug zu den Wesen.

Deshalb stehen alle Dharma-Unterweisungen in direktem Bezug zur Situation der Wesen, und auch alle Dharma-Anwendungen stehen in direktem Zusammenhang mit der Situation der Wesen. Weil es Wesen gibt, gibt es Dharma – und für sie ist es nützlich und notwendig, dass es Dharma gibt. Gäbe es keine Wesen, so gäbe es keine Notwendigkeit für Dharma; Dharma wäre völlig unnötig. In dieser Weise sehen wir, dass der zentrale Punkt des Dharma weder ein Gott noch Nirvana ist, sondern ganz einfach die Wesen. Nicht einmal Buddha ist der zentrale Punkt, denn Buddha selbst ist etwas, das aus einem Lebewesen geboren wurde und nicht umgekehrt. Buddhaschaft ist also nur erreichbar durch die Wesen und in Abhängigkeit der Wesen. Die Wesen entstehen nicht in Abhängigkeit von Buddha, sondern Buddha entsteht in Abhängigkeit der Wesen. Darum sind die Wesen der Kernpunkt des Dharma. Das ist einer der wichtigsten Punkte der buddhistischen Anschauung, und es ist sehr wichtig, dies richtig zu verstehen.

Wenn wir gefragt werden, was der Kernpunkt des Buddhismus sei, sollten wir in der Lage sein, eine direkte Antwort zu geben. Diese Antwort lautet einerseits: „Die Wesen sind der zentrale Punkt“, und andererseits: „Die Ursachen für Glück und Leid sind im eigenen Geist zu suchen, und diese Ursachen müssen umgewandelt werden.“ Das ist ein anderer wesentlicher Punkt des Dharma.

Solange die Fehler im Geist, wie Begierde (Rāga), Hass (Dvesha), und Verwirrung (Moha) in einem selbst vorhanden sind, sprechen wir vom Zustand bedingten zyklischen Daseins, in welchem alle Manifestationen von Leiden vorhanden sind. Wenn der Geist von Fehlern wie Begierde, Hass und Unwissenheit befreit ist, dann sprechen wir von Befreiung, von einem Zustand, der frei von allem Leiden ist und von bleibendem Frieden gekennzeichnet ist. Es ist falsch, die Dinge nicht so zu sehen und zu denken, wir seien in Samsara solange wir in dieser Welt lebten und in Nirvana, wenn wir in eine andere Welt gehen. Die Meinung, dass wir in Samsara verweilen würden solange wir existieren, und wir in Nirvana seien, wenn wir aufhörten zu existieren, ist ebenfalls falsch.

Solange die Verblendungen in unserem Geist vorhanden sind, sind wir typische samsarische Wesen im Daseinskreislauf. Sobald wir die Verblendungen aus unserem Geist entfernt haben, befreien wir uns aus der Kette von Karma, Klescha und Leiden und erlangen somit Nirvana. Nirvana bedeutet Zustand jenseits von Leid. Aber das bedeutet keineswegs, dass wir aufhören zu existieren. Wir existieren weiter, aber im Zustand vollständiger Freiheit und bleibenden Friedens. Wenn schliesslich auch noch die subtilsten Eindrücke, welche die Verblendungen im Geist hinterlassen haben, vollständig beseitigt sind, und alle Qualitäten des Geistes, wie Weisheit, Erbarmen, Fähigkeiten und Handlungen vollkommen geworden sind, dann sprechen wir vom Erlangen der Buddhaschaft.

Folgende Tatsache zu verstehen ist ebenfalls sehr wichtig: Buddha ist ein Zustand des Geistes und nicht etwa eine andere Welt; es ist kein Zustand irgendwo hoch oben im Raum. Und, obwohl wir im Deutschen den Ausdruck Erleuchtung verwenden, ist es nicht etwas, das unbedingt aus Licht bestehen oder leuchtend sein muss. Das alles entspricht nicht der Bedeutung von Buddhaschaft.

Buddhaschaft ist der Zustand eines Wesens, bei dem alle Hindernisse vom gröbsten bis zum subtilsten vollständig zu einem Ende gebracht worden sind, und alle Tugenden oder heilsamen Qualitäten bis zur Perfektion, Unendlichkeit und Spontaneität entwickelt worden sind. Das zeigt auch die eigentliche Bedeutung des Sanskrit-Wortes Buddha, was so viel bedeutet, wie vollständig erwacht oder vollständig erblüht.

Ein anderer, wichtiger Punkt buddhistischer Anschauung ist, dass die Fehler des Geistes nicht in der Natur des Geistes liegen. Darum ist es möglich, alle Fehler und Hindernisse zu beseitigen - weil sie eben nicht Teil der Natur des Geistes sind.

Zudem müssen wir verstehen, dass die Unterweisungen, die Buddha gegeben hat, verschiedene Aspekte haben. Es gibt nicht nur ein Dharma das existiert, ungeachtet seiner Eignung für die Wesen. Vielmehr gibt es entsprechend den unterschiedlichen Fähigkeiten, Eigenschaften, Vorlieben und Notwendigkeiten der Wesen unterschiedliche Unterweisungen des Buddha. Eine Person, die diesen Punkt richtig verstanden hat, wird nicht bezüglich der einen oder anderen Form des Dharma fanatisch werden. Wird dieser Punkt aber nicht verstanden, so entwickelt die Unwissenheit im eigenen Geist einen Sinn starker Anhaftung und fanatischen Hängens an einem bestimmten Aspekt. Solche Auffassungen können dann leicht fanatische und sektiererische Auffassungen hervorbringen, die dann eine Quelle für Streit und Konflikte sind.

Die Wesen haben verschiedene Umstände, Fähigkeiten und Neigungen. Deshalb hat Buddha aus seinem grossen Erbarmen, aus Weisheit und Geschick eine grosse Vielfalt an Unterweisungen gegeben, die für alle geeignet sind.

Eine weitere besondere Eigenschaft der Unterweisungen Buddhas ist es, dass Anwender mittels einer soliden Logik und persönlichen Erfahrung die Gültigkeit dieser Unterweisungen und den Wert des Anwendens beurteilen. Nicht der Status eines Lehrers, wie Herkunft, Rasse, körperliche Gestalt oder Farbe, Alter, sozialer Rang, Titel, Beliebtheit und so weiter sind geeignete Kriterien, sondern die Richtigkeit der vermittelten Bedeutung, die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit und die positive Wirkung auf den Geist der Suchenden. Wenn die Bedeutung unlogisch ist und wirkliche Essenz fehlt, kommt es nicht darauf an, wer unterrichtet oder wie poetisch und redegewandt vorgetragen wird; es wird für eine Person, die Dharma lernen und anwenden will, nutzlos bleiben. Blindes Glauben und irgendwelchen Unterweisungen zu folgen ist kein geeigneter Zugang zu Dharma. Der Erleuchtete hat dies in klaren Worten dargelegt: „Oh Mönche und Weise, so wie ein Goldsucher das Gold durch Brennen, Schneiden und Reiben prüft, so sollt ihr meine Unterweisungen prüfen und dann akzeptieren, aber nicht lediglich aufgrund von Respekt für mich.“

Für einen ernsthaften Anwender sollte das Vorgehen im Dharma so sein, wie das eines Kranken, der Heilung sucht. Um eine kranke Person zu heilen, braucht es unbedingt drei Dinge: Einen qualifizierten Arzt; die richtige Behandlung durch Medikamente und die medizinische Unterstützung; und Pflegepersonal. Der Patient sollte sich bewusst sein, dass er krank ist und vollständige Genesung von der Krankheit suchen. Er muss zudem entschlossen sein, die notwendige Hilfe zu suchen, um gesund zu werden. Eine solche Suche unternimmt man nicht aus Tradition, auch nicht weil es lustig ist oder man berühmt werden will, und auch nicht um einen guten Ruf oder Reichtum zu erlangen; sondern ganz einfach deshalb, weil man nicht als kränkliche Person leben will und aus der Tiefe seines Herzens eine gute Gesundheit wünscht.

Von genau solcher Art sollte unsere Motivation für Dharma sein, indem wir die Wurzel aller unserer Leiden in uns selbst sehen und Dharma als die einzige Heilmethode für die Genesung erkennen, und nichts anderes. Darum sucht man Buddha als den perfekten, qualifizierten Arzt, Dharma als die perfekte Behandlung und Sangha als das perfekte, äusserst hilfreiche Team.

Ein solches herzergeifendes Suchen nach diesen drei unumgänglichen Hilfen ist es, was als ZUFLUCHTNAHME bei den DREI JUWELEN (Triratna Sharañā Gaman) bezeichnet wird! Mit dieser reinen Einstellung beginnt jede Anwendung von Dharma.

  • Buddham scharanam gatschaami
  • Dharmam scharanam gatschaami
  • Sangham scharanam gatschaami
  • Zu Buddha gehe um Schutz
  • Zu Dharma gehe um Schutz
  • Zu Sangha gehe um Schutz
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