Tashi Rabten - Buddhistisches Kloster

Das Stupa beim Letzehof

Die Bedeutung eines Stupa

Ein Stupa ist eine symbolische Darstellung des Geistes eines Buddha. Stupas werden oft an Orten errichtet, wo viele Leute vorbeikommen, wie zum Beispiel an Straßenkreuzungen. Einem sorgfältig errichteten Stupa wird eine starke positive Wirkung auf die Umgebung zugeschrieben. Es beschwichtigt negative Kräfte und fördert Harmonie und Frieden unter den Wesen. Deshalb wird auch der Ausdruck Schanti-Stupa verwendet, was Friedens-Monument bedeutet.

Das Stupa auf der Letze wurde 1987 im Gedenken an Gesche Rabten Rinpotsche errichtet. Bei den Vorbereitungen und der Ausführung des Baus wirkten viele Personen aus verschiedenen Gesellschaftsteilen mit. So wurde auch das neue Wort "Stupa" bald bekannt. Da jedes "deutsche" Wort auch einen Artikel braucht, mußte auch für "Stupa" ein passender Artikel gefunden werden. Das Sprachgefühl akademisch gebildeter Personen bevorzugte "die Stupa". Sanskritologen warnten jedoch, dass es "der Stupa" sein müsse, weil Sanskrit-Wörter auf "a" männlich sind. Aber auch die Handwerker wussten, was sie bauten, nämlich "das Stupa vom Letzehof". Und so ist es das Stupa vom Letzehof geblieben: Sachlich und neutral, ein Symbol des erleuchteten Geistes.

Stupas können verschiedene Formen haben. Die Ausführung der Spitze eines Stupa kann den Grad der geistigen Entwicklung der Person zeigen, in deren Gedenken es erbaut wurde:

  • Ein Stupa für eine gewöhnliche Person hat keine Spitze.
  • Ein Stupa für eine Person, die in den Strom zur Befreiung eingetreten ist, hat eine Spitze aus zwei Ringen.
  • Ein Stupa für eine Person, die vor dem Erreichen der Befreiung aus bedingtem Dasein nur noch einmal Geburt nehmen muss, hat eine Spitze aus drei Ringen.
  • Ein Stupa für eine Person, die nicht mehr in bedingtes Dasein zurückkehren muss, hat eine Spitze aus vier Ringen.
  • Ein Stupa eines Schravaka-Arhats, das heißt, einer Person, die vollständige Freiheit aus bedingtem Dasein erreicht hat, hat eine Spitze aus fünf Ringen.
  • Ein Stupa eines Pratyeka-Arhats, das heisst, einer Person, die auf dem Weg der Selbsterlöser vollständige Freiheit aus bedingtem Dasein erreicht hat, hat eine Spitze aus sieben Ringen.
  • Ein Stupa eines vollständig erleuchteten Wesens hat eine Spitze aus dreizehn Ringen.

Es gibt acht verschiedene Formen von Stupas, die in Bezug zu besonderen Ereignissen in Buddhas Leben zum ersten Mal an den entsprechenden Orten erbaut wurden:

  • Beim "Geburts-Stupa" (Lumbini) sind die Stufen unterhalb der Kuppel als Lotusblüten ausgebildet.
  • Beim "Stupa der Unterweisungen" (Sarnath) sind die Stufen mit vielen Toren versehen.
  • Das "Erleuchtungs-Stupa" in Bodh-Gaya hat vier quadratische Stufen.
  • Beim "Stupa der Rückkehr Buddhas aus dem Reich der Devas" (Sankaschya) führt eine Treppe über die Stufen des Stupa.
  • Das "Versöhnungs-Stupa" (Radschagir) hat achteckige Stufen.
  • Das "Sieges-Stupa" (Vaischali) hat vier runde Stufen.
  • Das "Stupa der großen Wunder" (Schravasti) hat vier Stufen, die als rechteckige Lotusblüten ausgebildet sind.
  • Das "Stupa des Parinirvana des Buddha" (Kuschinagar) hat keine Stufen, die Kuppel steht direkt auf dem Thron und hat eine glockenähnliche Form mit zwei horizontal umlaufenden Linien.

Viele Stupas bestehen aus einem Unterbau und dem eigentlichen Stupa. Der Unterbau, der bis zur oberen weit ausladenden Platte reicht, ist der Thron, auf dem das eigentliche Stupa steht. Das Stupa selbst beginnt dann mit einem Kranz von Lotusblättern, gefolgt von vier Stufen, wieder einem Kranz von Lotusblättern, der Kuppel und den Elementen der Spitze. Alle Teile eines Stupa haben eine symbolische Bedeutung:

  • Die Grundlage des Stupa entspricht den zehn heilsamen Handlungen: Das Vermeiden von Töten, Stehlen, sexuellem Fehlverhalten, Lügen, Verleumden, Schimpfen, Schwätzen, Gier, Bosheit und Fehlauffassungen.
  • Die erste Lotusblume des Stupa entspricht den sechs Erinnerungen: Erinnerung des Meisters, des Buddha, des Dharma, der Sangha, der Ethik und der Großzügigkeit.
  • Die vier Stufen symbolisieren die vier Urstoffe: Erde, Wasser, Feuer und Wind.
  • Die Basis der Kuppel entspricht den fünf Kräften eines Buddha: Vertrauen, Enthusiasmus, Erinnerung, Konzentration und Weisheit.
  • Die Kuppel symbolisiert die Erleuchtung.
  • Der Quader, auf dem die Spitze steht, symbolisiert den achtfachen Weg und die 37 Qualitäten der Erleuchtung.
  • Die Lotusblume am Fuß der Spitze zeigt das Freisein von den Fehlern des bedingten Daseins.
  • Die dreizehn Ringe entsprechen den zehn Kräften und den drei Bewusstheiten des Geistes eines Buddha: Bewusstheit des Freiseins von allen Arten der Begierde, des Freiseins von allen Arten von Hass und der unparteiischen Auffassung gegenüber Zuhörern und Nicht-Zuhörern.
  • Der konische Absatz, der nach den Ringen zum Schirm überleitet, entspricht dem Dharani des Erbarmens, was die Vereinigung von großem Erbarmen mit den sechzehn Leerheiten bedeutet.
  • Der Schirm und der Ring unter der Krone zeigen die Vereinigung von Methode und Weisheit.
  • Die Krone entspricht den erweiterten Aktivitäten.
  • Mond und Sonne bedeuten die Weisheit des Soseins und des Sosehens, was der konventionellen und letztlichen Weisheit entspricht.
  • Die Spitze entspricht dem Zustand der Großen Vereinigung: Das ist der Zustand der Erleuchtung, in dem Körper und Geist, oder Illusionskörper und Weisheit des klaren Lichts vereint sind.
  • Ornamente, die zwischen Spitze und Kuppel angebracht sein können, zeigen die sechzig Glieder der Rede eines Buddha.
  • Vier Säulen, die neben einem Stupa stehen können, zeigen die vier Furchtlosigkeiten eines Buddha: Die Furchtlosigkeit, seine Bezwingung aller Hindernisse zu bestätigen. Die Furchtlosigkeit, seine Allwissenheit zu bestätigen. Die Furchtlosigkeit des Verkündens dessen, was überwunden werden muß. Die Furchtlosigkeit des Verkündens der Gegenmittel.
  • Siegesbanner auf diesen vier Säulen zeigen den Sieg über die vier Maras oder negativen Kräfte.
  • Girlanden, die ein Stupa schmücken können, zeigen die 32 Merkmale und 80 Zeichen des Körpers eines Buddha.
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